POETRY SLAM ERLANGEN Poeten an die Mikrofone!


Kategorie “Blog ‘n’ Roll”

Phänomen Poetry Slam – Ursprung und Geschichte

Di, 12. Feb 2002

Poetry Slam [(to) slam (engl.): zuschlagen; zerschmettern; Volltreffer; Schlagabtausch

Geburtsort des Phänomens ist der legendäre „Green Mill Jazz Club“ in Chicago, wo 1987 der Bauarbeiter Marc Kelly Smith den ersten „Poetry Slam“ aus der Taufe hob.

Smith hatte schon seit seiner frühen Jugend Gedichte geschrieben, meist zu den Klängen von Blues oder Jazz. Um sich von seinen harten Arbeitstagen auf der Baustelle zu erholen, vertrieb er sich die Abende mit literarischen Lesungen unterschiedlichster Art, in Buchläden, Bibliotheken, Universitäten und ähnlichen kulturellen Einrichtungen, doch nichts vermochte seiner Begeisterung für Literatur, wobei er besonders zu zeitgenössischer Lyrik tendierte, Rechnung zu tragen.
„Ich sog alles auf, was ich bekommen konnte. Und dies nicht aus Bildungsgründen. Mich interessierte vor allem der Umgang mit Sprache und die damit verbundenen Gefühle, die ein Gedicht bei mir und anderen auszulösen in der Lage war. Was ich jedoch niemals verstehen konnte, war die Art der Textvorträge und die Orte, an denen sie abgehalten wurden. Wie konnte jemand etwas, was ihm offensichtlich wichtig erschien, derart schlecht vorbereitet vortragen, und dieses dann auch noch häufig in der sterilen Atmosphäre eines nüchternen weißen Raums mit Stuhlreihen, ohne Bar, ohne flairerzeugende Beleuchtung, ohne die Möglichkeit, den Rest des Abends angenehm miteinander verbringen zu können. Hier hinkte die Dichtkunst den von mir ebenfalls geliebten Jazz- und Blueskonzerten in Chicagos Clubs noch um Meilen hinterher. Die Zeit machte neue Schritte nötig“, sagte Marc Smith dem Bayrischen Rundfunk anlässlich eines Besuches des Münchner Slams (existiert seit 1996).
Smith begann Anfang 1985, seiner Unzufriedenheit mit den vorherrschenden Literaturformaten Taten folgen zu lassen, indem er die „Get Me High Lounge“ im Süden der Stadt zu einem Club für neue Poetry-Formen umbaute. Dort begann er mit sogenannten „Pong Jams“ (sprachliche Kreuzung aus Poem und Song), und fand sich bald einem schnell wachsenden Publikum gegenüber. Zusammen mit einer ständig wachsenden Zahl junger Dichter führte er die Idee fort und kam schließlich zum heute gültigen System des Poetry Slam:
Eine Anzahl von 8 – 10 Poeten pro Abend trägt in einer per Losentscheid gezogenen Reihenfolge ihre Werke vor, wobei das Publikum entweder per Applaus oder in Form einer aus dem Publikum gebildeten Jury (Noten von 0 bis 10) zwei Favoriten bestimmt, die dann noch einmal im Finale um die Gunst der Zuhörer und –schauer buhlen.

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