Rückblick auf den September-Slam 2011

Stand zunächst zu befürchten, der Saisonauftakt vor vollem Haus könnte durch zwei kurzfristige Absagen im Teilnehmerfeld etwas dünn besiedelt sein, belehrte uns der Abend jedoch schnell eines besseren. Nicht wenige Zuschauer teilten uns mit, dass sie schon lang nicht mehr solche Lachkrämpfe hatten – und wir Organisatoren möchten uns dieser Aussage anschließen. Ja, es ging verrückt und lustig zu, aber auch die ernsten und stillen Töne fanden ihren Platz im poetischen Wettkampf, der von der spontan gegründeten Band „Die Kestler-Zwillinge“ musikalisch aufs angenehmste eingerahmt wurde. Dass man dabei u. U. etliche ihrer Nummern fälschlicherweise für Cover-Songs hielt, spricht nur für die beachtlichen kompositorischen Fähigkeiten der Bandmitglieder.

Der Dichterwettstreit: Kristina Hemmerling hätte die Welt in ihrer poetischen Vision gern einmal nach ihrer Kurbel gedreht, Thomas Spitzer machte zehn kleinen Bankerlein den Garaus. AIDA zeigte die verrückte Performance des frisch Verliebten bzw. Hormonisierten, Annika Wirth gab in ihrem traurigen Text einem sehr persönlichen Abschied Raum. Schwarhumoriges Storytelling von Martin Geier: die mobbing-versehrte Hauptfigur wird bei einer zufälligen Begegnung im Aufzug Zeuge, wie die Schicksalsrache auf eine gewisse Melanie hernieder fährt. Noch schwärzer der Humor von Friederike Schmid, der untreue Freund wird erbarmungslos gerichtet und zum posthumen Kunstobjekt. Faby Neidhardt führte in Episoden ein Textexperiment zur Relativität von Ärgernissen und Tragödien durch und Andy Strauß begeisterte mit… crazy shit!

Ins Finale zogen der Regensburger Thomas Spitzer und der Münsteraner Andy Strauß ein, eine grandios performte Ode auf die sexuelle Komponente fleischlicher Genüsse im tatsächlichen Wortsinn traf auf vor Spaß Funken sprühende dadaistische Prosa – hier ließ sich keine Begeisterungsdifferenz mehr ermitteln und das Publikum befahl den Doppelsieg mit 400 Händen. Wir gratulieren den beiden Gewinnern und shaken die Jazzhands!

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