Rückblick auf den November-Slam 2011

Neue Gesichter, frischer Wind und eine Menge verrückter Ideen, drumherum ein beeindruckender Toby Hoffmann mit schwerer, zorniger und scharfkantiger Lyrik, die dieser ausgewaschenen Begrifflichkeit noch Ehre zu machen vermochte – das war der November-Slam im E-Werk. Der Wettkampf im Schnelldurchlauf:

Robin Mesarosch eröffnete den Wettbewerb mit einer feurigen Liebeserklärung an die Arbeit, ebenso überzeichnet wie grausam nah an der persönlichen Realität mancher Anhänger des Workaholizimus. Simon Moll reimte sich kunstvoll durch eine Tüte Gummibärchen, die gleichsam Parabel auf den allzeitigen Missstand gesellschaftlicher Ungleichbehandlung gewesen, und ließ dem Erzähler seines zweiten Textes über automobilen Geschwindigkeitsfetischismus alsbald die Leitplanke durch den Kopf gehen. Ines von Külmer setzte dem allgegenwärtigen Griechenland-Bashing einen historisch kreativen Ausflug in die reiche Geschichte des Landes entgegen und projizierte unter anderem Paris in die Zeiten Trojas. Während der Wunsch nach der Überwindung der eigenen Unsicherheit vor allem im zwischenmenschlichen Sektor dann auch gleich Gegenstand ihres eigentlichen Textes war, überwand LiLaLeLi die Unsicherheit anlässlich ihres ersten Auftritts durch einen ebenso geschickten wie überraschenden Schachzug: vier spontan überredete Zuschauer leisteten ihr auf der Bühne nicht nur Gesellschaft, sondern standen als lebende Mauer postiert schützend vor der Bühnendebütantin. Tobias Heyel beschloss die erste Runde mit einem geschmeidig verreimten und gepfefferten Mängelbericht zur politischen Kultur in diesem Lande, nicht ohne am Ende noch mit dem Vorschlag zur Wahl eines neuen Volkes einen echten Lösungsansatz zu präsentieren.

Mr. Davos stieg in Runde Zwo mit einem ganzen Leben im Schnelldurchlauf ein, alles zwischen Werden und Verderben war da drin in dieser Blackbox, die er uns entwarf; R.I.P., liebes Coffeepad. Sieglinde Holzknecht ließ sich vom rhythmischen Tanz ihrer eigenen Sprache mitreißen – ist sie doch schließlich ganz und gar ein Kind der Poesie – und so manchen Zuschauer beeindruckt zurück. Gekonnt auf klassischen Pfaden humoristischer Prosa wandelte hingegen Thomas Schmidt, als er uns den ewigen inneren Kampf der Väter flügge werdender Töchter an den Erfahrungshorizont projizierte. Eine epische Tragö-die brachte Bo Wimmer zur kunstvollen Aufführung, das kurze, aber freiheitsorientierte Leben von Huhn Ruth machte unsere Welt zum Bauernhof und nicht nur die Hähne im Publikum hielten einen Augenblick nachdenklich inne. Als letzter in der zweiten Runde debütierte schließlich noch Tom Mot, und sorgte neben interaktiver Freestyle-“Poesie“ noch mit einer lupenreinen Parodie des an Marotten ja nun wirklich nicht armen Moderators der Erlanger Slambühne für den Überraschungs- und WTF?!-Moment des Abends. Chapeau!

Im Finale fanden sich Robin Mesarosch, Thomas Schmidt und Bo Wimmer wieder und nutzten die Gelegenheit, um mit starken Texten in Erinnerung zu bleiben. Schlussendlich hatte aber der erst 21-jährige Robin Mesarosch bei der Applausabstimmung die Nase vorn und damit den Novembersieg errungen. Fanfaren!

 

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